Sieh an dessen Mauer, die wie Kupfer glänzt!
Besieh ihre Brustwehr, die niemand nachzubilden weiß!
Nimm doch die Treppe, die (dort) seit ewigen Zeiten!
Komm heran an Eanna, den Wohnsitz der Ischtar,
den kein künftiger König wird nachbilden können,
noch sonst ein anderer Mensch! [1]
Das ganze Epos hindurch führt Gilgamesch sich mit Frauen ziemlich seltsam auf.
- Seine Mutter war Wildkuh-Ninsunna.
- Als junger König hat Gilgamesch angeblich nichts anbrennen lassen:
In finstere Stimmung verfallen die jungen Männer von Uruk, […]
Ihre Klagen erheben vor Ischtar die Frauen Monat für Monat,
Ihre Beschwerde bringen sie immer wieder vor sie:«Der starke, herrliche, kundige König,
nicht lässt Gilgamesch die junge Frau zu ihrem Bräutigam.» - Gilgamesch verpasst die „éducation sentimentale“ (dixit A. L. Oppenheim [2]), wie sie Enkidu vom kultivierten Freudenmädchen Schamchat bekommen hat.
- Es hätte ihm dennoch nicht geschadet. Inana/Ischtar, die Liebesgöttin (ja sicher), verliebt sich in ihn. Das ist für Gilgamesch Anlass dazu, sie siebenundvierzig Zeilen lang (Tafel VI: 33-79) furchtbar zu beschimpfen.
- Siduri, das Barmädchen am Ende der Welt (es könnte sich um die tief verschleierte Ischtar handeln), weist ihm „den rechten Weg” - zu Uta-Napischti, aber letztendlich zu seiner wirklichen Unsterblichkeit: die er letztendlich dadurch erlangt, dass er seiner Verantwortung als König nachkommt.
- Eine Ehefrau oder Kinder werden nirgendwo erwähnt. Gilgamesch scheint sich nicht für das klassische „Familienleben” begeistert zu haben.
Ein klarer Fall für Dr. Freud, sage ich mal so.
Aber es hätte auch schlimmer kommen können. Enkidu, der archetypische „nature’s Gentleman” [3], der „Panther aus der Steppe”, war der Freund, den er liebte - Enkidu hat mit ihm alle Leiden durchlebt. Die Mauern, die Gilgamesch um Uruk errichtete - und die auch heute noch sichtbar sind -, verkörpern seine Unsterblichkeit.
Eine (ganze) Quadratmeile ist Stadt,
eine (ganze) Quadratmeile Gartenland,
eine (ganze) Quadratmeile ist Aue,
eine halbe Quadratmeile der Tempel der Ischtar.
Drei Quadratmeilen und eine halbe, das ist Uruk,
das sind die Maße!
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[1] Maul, Stefan M. Gilgamesch. München: Verlag C. H. Beck, 2007.
[2] Oppenheim, A. Leo. Ancient Mesopotamia: Portrait of a Dead Civilization. Chicago & London: Chicago University Press, 1977. S. 259.
[3] Oder der „Edle Wilde”. Der Edle Wilde ist ein Idealbild des von der Zivilisation unverdorbenen Naturmenschen. Das Konzept drückt die Vorstellung aus, dass der Mensch ohne Bande der Zivilisation von Natur aus gut sei. Ein sehr umstrittenes, komplexes und im mesopotamischen Kontext wahrscheinlich völlig deplatziertes Konzept. Fortsetzung folgt.